Dienstag, 15. Mai 2018

Der Fall Jens Söring: Söring Leaks (I)


Seit Dezember 2017 ist eine Webseite online, deren Inhalt ich gerne in den nächsten Beiträgen thematisieren möchte. Die Internetseite ist unter Folgender URL erreichbar:

https://soeringguiltyascharged.com/

Auf dieser Seite wurden u.a. Dokumente eingestellt, die einen neuen Blick auf den Fall Jens Söring ermöglichen. Teils ist der Inhalt recht brisant, daher auch der etwas martialische Blog Titel. Aber bevor ich im Einzelnen darauf eingehe, möchte ich noch einen grundsätzlichen Gedanken loswerden:  Sinn und Zweck dieses Blogs war es stets eine ausbalancierte Darstellung zu erreichen, die diesem komplexen Fall gerecht wird. Die Zuschriften, die ich bisher erhalten habe, bestätigen mir, dass dieser Vorsatz recht gut umgesetzt wurde. Auch beim aktuellen Blog geht es ausschließlich darum, die neuen Erkenntnisse in einer geeigneten Form zu präsentieren.

Nun aber zu dem ersten Dokument (alle Dokumente die im Blog thematisiert werden, sind auf der oben angegebenen Webseite abrufbar):

Unpublished Decision of the U.S. Court of Appeals (30.06.2000)

Dienstag, 13. März 2018

Der Fall Jens Söring: Antrag auf Bewährung abgelehnt

Im letzten Blogeintrag wurde der Antrag auf Begnadigung thematisiert, den Jens Söring im August 2016 gestellt hat. Eine Entscheidung über den Ausgang des Verfahrens ist bislang noch nicht gefallen. Allerdings hat der Gouverneur in dessen Amtszeit der Antrag gestellt wurde, Terry McAuliffe, entschieden, das Verfahren seinem Nachfolger Ralph Northam zu vererben (die Amtsübergabe erfolgte im Januar 2018). Theoretisch kann man da viel reininterpretieren: Wollte sich McAuliffe, von dem kolportiert wird, dass er ein möglicher Kandidat für die Präsidentschaftswahl 2020 ist, an dem Fall nicht die Finger verbrennen? Oder bedeutet es einfach gar nichts? Ich denke, dass es schlicht und einfach so ist, dass die Anträge auf Begnadigung tatsächlich ihrer Reihenfolge nach abgearbeitet werden und die Zeit nicht mehr ausgereicht hat, um auch den Antrag von Jens zu bearbeiten.

Viel interessanter ist meiner Meinung nach, dass der Antrag auf Bewährung am 28.02.2018 erneut abgeschmettert wurde. Aus den offiziellen Gründen lässt sich nichts herauslesen, es sind lediglich Floskeln und Allgemeinsätze, die auf der Homepage des Bewährungsausschusses veröffentlicht werden. Nun stellt sich natürlich die Frage, ob es bereits zu einer Vorentscheidung über den Antrag auf Begnadigung gekommen ist.

Aber worum geht es eigentlich bei den jeweiligen Anträgen?

Montag, 6. November 2017

Der Fall Jens Söring: Absolute Pardon?

Letztmalig berichtete ich über Sheriff Harding und seinen Versuch Einfluss auf den Lauf der Dinge zu nehmen. Seitdem ist nicht mehr viel passiert, auch wenn die medialen Aktivitäten von Jens Söring und seinen Unterstützern anderes vermuten lassen. Trotzdem möchte ich einen kleinen Blog einstellen, da die Entscheidung über das Gnadengesuch (absolute pardon) von Jens Söring möglicherweise kurz bevor steht.
In der Zwischenzeit hat es drei Pressekonferenzen zum Fall Jens Söring gegeben:

- Am 3. Mai gab Sheriff "Chip" Harding eine Pressekonferenz, auf der er im Wesentlichen seine bereits in dem von ihm veröffentlichten Brief gewonnenen Erkenntnisse kundgab.
- Am 27. September hielt Sheriff "Chip" Harding eine zweite Pressekonferenz ab. In dieser wurden zwei DNA- Experten der Öffentlichkeit vorgestellt: Prof. J. Thomas McClintock und Dr. Moses Schanfield. Beide wurden von Jens beauftragt.
- Am 27. Oktober veranstaltete Gail Starling Marshall, eine langjährige Mitstreiterin von Jens, eine dritte Pressekonferenz. Auf dieser wurde bekannt gegeben, dass auch Frau Kelly Tate University of Richmond, Leiterin des Institute for Actual Innocence, den Antrag von Jens auf absolut pardon unterstützt.

Freitag, 26. Mai 2017

Der Fall Jens Söring: Der Brief des Sheriffs


Kürzlich hat der Sheriff von Albemarle County (Virginia), “Chip” Harding, einen Brief veröffentlicht, indem er dafür plädiert, dass Jens Söring frei gelassen wird. Zu den Hintergründen kann ich nichts sagen. Verwunderlich ist der Vorgang aber schon. Schließlich fällt die Zuständigkeit der Haysom Morde in den Landkreis Bedford.

Bevor ich den Brief inhaltlich bewerte, möchte ich kurz ausführen, welche Aufgabe ein Sheriff innehat und welche Qualifikation Sheriff Harding mitbringt:

In den USA ist ein Sheriff ein Leiter einer Polizeibehörde eines Landkreises (County) und wird üblicherweise von der Bevölkerung gewählt. Ein Sheriff ist also primär ein Verwaltungsbeamter und kein operativ tätiger Ermittler. Der höchste akademische Abschluss von Sheriff Harding ist laut seiner Homepage ein „Bachelor of Science in Social Welfare“ (Quelle:
http://www.albemarleso.org/Nresume.html). Ob ein Bachelor im Fach Social Welfare/ Sozialhilfe als Schlüsselqualifikation für ein Sheriffsamt durchgeht, möge jeder Leser für sich entscheiden.

Seine Analyse untergliedert Sheriff Harding in neun Bereiche. Schon an dieser Stelle wird deutlich, dass etwas nicht stimmt. Kann es sein, dass der Sheriff die Argumentationslinie von Jens Söring übernommen hat? Werden bestimmte Umstände, die für die Tatbeteiligung von Jens Söring sprechen komplett ausgeblendet? Warum werden Ungereimtheiten in Jens` Version der Geschichte nicht hinterfragt? Hierzu einige Beispiele:

- Die widersprüchliche und in vielen Teilen unlogische Washington Geschichte von Jens wird nicht hinterfragt.
- Die Tagebuch Einträge von Elizabeth werden verschwiegen.
- Der Zeitpunkt der Flucht wird nicht thematisiert.

Vor allem ist die gesamte Darstellung aus der Sichtweise von Jens geschrieben bzw. der Tenor ist stets Pro Jens. Folglich werden nur die Unterstützer von Jens befragt und zitiert (Chuck Read, Carlos Santos, etc.). Personen, die eine von Jens abweichende Meinung haben, werden nicht gehört.  

Nun aber zu den Aussagen von Sheriff Harding:

Dienstag, 9. Mai 2017

Der Fall Jens Söring: Lebenslang in Haft?


Sollte Jens Söring unabhängig von der Schuldfrage aus der Haft entlassen werden?

Diese Frage stellt sich zwangsläufig, wenn man sich mit dem Fall Jens Söring näher beschäftigt. Fakt ist, dass Jens bislang 31 Jahre im Gefängnis gesessen hat. Ist damit die Tat verbüßt? 

Möglicherweise. Gleichwohl gilt das wohl nur nach deutschem Rechtsverständnis. Da er aber die Taten in den USA begangen hat, sollte er grundsätzlich nach den dortigen Maßstäben behandelt werden. In der US- amerikanischen Gesellschaft ist es nun einmal Konsens, dass Straftäter primär hart bestraft werden. Lebenslang bedeutet Lebenslang. Eine Rehabilitierung wie sie in Deutschland bekannt ist, spielt entweder gar keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Aber hat nicht jeder Mensch eine zweite Chance verdient? Natürlich, aber die erste Voraussetzung hierfür ist, das Jens die Tat gesteht, ehrlich Reue zeigt und sich bei den Angehörigen (die sich übrigens bislang gegen die Entlassung von Jens ausgesprochen haben) entschuldigt. Die zweite Voraussetzung wäre die Überprüfung seines Geisteszustandes. Ist Jens heute noch gefährlich? Wie wir 
hier gelernt haben, war er zumindest zum Zeitpunkt der Morde geistesgestört.  

Auch darf der Grundsatz „im Zweifel für den Angeklagten“ aktuell keine Anwendung finden. Dieses Prinzip gilt zwar vor Gericht, in den USA ebenso wie in Deutschland, aber das Urteil von Jens ist rechtskräftig. Es ist nun an ihm zu beweisen, dass er unschuldig ist. Als Unschuldsbeweis muss eine smoking gun her. Wie könnte so ein Unschuldsbeweis also aussehen? Es bleibt meiner Meinung nach nur eine Möglichkeit: Jens muss die wahren Täter präsentieren nebst unverrückbaren Beweisen für ihre Schuld.