Dienstag, 9. Mai 2017

Der Fall Jens Söring: Lebenslang in Haft?


Sollte Jens Söring unabhängig von der Schuldfrage aus der Haft entlassen werden?

Diese Frage stellt sich zwangsläufig, wenn man sich mit dem Fall Jens Söring näher beschäftigt. Fakt ist, dass Jens bislang 31 Jahre im Gefängnis gesessen hat. Ist damit die Tat verbüßt? 

Möglicherweise. Gleichwohl gilt das wohl nur nach deutschem Rechtsverständnis. Da er aber die Taten in den USA begangen hat, sollte er grundsätzlich nach den dortigen Maßstäben behandelt werden. In der US- amerikanischen Gesellschaft ist es nun einmal Konsens, dass Straftäter primär hart bestraft werden. Lebenslang bedeutet Lebenslang. Eine Rehabilitierung wie sie in Deutschland bekannt ist, spielt entweder gar keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Aber hat nicht jeder Mensch eine zweite Chance verdient? Natürlich, aber die erste Voraussetzung hierfür ist, das Jens die Tat gesteht, ehrlich Reue zeigt und sich bei den Angehörigen (die sich übrigens bislang gegen die Entlassung von Jens ausgesprochen haben) entschuldigt. Die zweite Voraussetzung wäre die Überprüfung seines Geisteszustandes. Ist Jens heute noch gefährlich? Wie wir 
hier gelernt haben, war er zumindest zum Zeitpunkt der Morde geistesgestört.  

Auch darf der Grundsatz „im Zweifel für den Angeklagten“ aktuell keine Anwendung finden. Dieses Prinzip gilt zwar vor Gericht, in den USA ebenso wie in Deutschland, aber das Urteil von Jens ist rechtskräftig. Es ist nun an ihm zu beweisen, dass er unschuldig ist. Als Unschuldsbeweis muss eine smoking gun her. Wie könnte so ein Unschuldsbeweis also aussehen? Es bleibt meiner Meinung nach nur eine Möglichkeit: Jens muss die wahren Täter präsentieren nebst unverrückbaren Beweisen für ihre Schuld.

Donnerstag, 4. Mai 2017

Der Fall Jens Söring: Rekonstruktion der Ereignisse II


Am Freitag, den 29.03.1985, fuhren Elizabeth Haysom und Jens Söring gemeinsam nach Washington. Dort verbrachten sie gemeinsam den Nachmittag und die Nacht. Am Samstagnachmittag entschied sich Jens dazu, zurück nach Virginia zu fahren, genauer gesagt, nach Bonsboro, dem Wohnort der Eltern von Elizabeth. Als Alibi hierfür wurden von Elizabeth vorsorglich Kinokarten besorgt. Gut möglich ist aber auch, dass das Wochenende an sich schon als Alibi dienen sollte, nämlich für den Fall, dass die Tat nicht spontan umgesetzt wurde, sondern länger geplant war. Jedenfalls fand die Polizei während ihrer Ermittlungen heraus, dass der Mietwagen mehr Kilometer auf dem Tacho hatte, als die Strecke Charlottsville- Washington hergibt. Die „Extrakilometer“ ergeben sich exakt durch die zusätzliche Strecke Washingon- Bonsboro, Bonsboro- Washington.

Unklar ist, ob Jens die Haysoms zunächst nur zur Rede stellen wollte oder ob er mit fester Mordabsicht nach Bonsboro fuhr. Jens gab in seinen Geständnissen an, zunächst nur das Gespräch gesucht zu haben. Der Mord sei dann aus dem Effekt heraus geschehen. Auch habe er kein Messer dabei gehabt, sondern ein Messer aus dem Hause der Haysoms für die Morde benutzt.

Freitag, 21. April 2017

Der Fall Jens Söring: Rekonstruktion der Ereignisse I


Nach meinem Empfinden spricht die Gesamtschau der im Blog aufgezeigten Sachverhalte unzweideutig für eine Täterschaft von Jens Söring. Zu klären wäre demnach nur noch, ob Jens die Morde alleine begangen hat oder gemeinsam in Komplizenschaft mit Elizabeth. 

Eine dritte Variante, kann ich ausschließen, also dass eine oder mehrere unbeteiligte Personen an den Morden beteiligt war(en) und diese gemeinschaftlich mit Elizabeth ausgeführt haben. Diese Variante schließe ich deshalb aus, weil es einfach keinen Sinn macht, dass sich eine dritte unbeteiligte Person zu einem solch schrecklichen Mord hinreißen lässt. Welches Motiv soll diese Person gehabt haben? Auch sind die Blutspuren, die vor Ort gefunden wurden, nicht mit dieser Theorie in Einklang zu bringen. Zudem ist die Version der Geschehnisse, wie Jens sie erzählt einfach zu unglaubhaft: Welcher Mensch würde tatsächlich einen Doppelmord für seine Geliebte auf sich nehmen? Wie realistisch ist es, niemals mit Elizabeth über diese Tat zu sprechen? Wer würde alles wofür er bislang in seinem Leben gearbeitet hat, einfach links liegen lassen (beispielsweise das Stipendium)? Wer würde mit einer Mörderin, die einen Komplizen gehabt haben muss, ins Ausland fliehen? Zudem wiegt die unglaubwürdige Version von Jens in Bezug auf die Ereignisse in Washington schwer (klick). Das alles passt nicht zusammen. Schließlich hat Jens ein kristallklares Motiv: Seine Besessenheit von Elizabeth (verstärkt durch seine Geisteskrankheit) und den Hass auf ihre Eltern, da die Mutter von Elizabeth sie angabegemäß sexuell missbraucht hat. Letztlich wiegt auch das von Jens in den diversen Geständnissen offenbarte Täterwissen zu schwer, um es einfach vom Tisch zu wischen (klick).  

Nur der Vollständigkeit halber: Jens beschuldigt in der Dokumentation „Das Versprechen“ namentlich zwei Personen die Tat gemeinschaftlich mit Elizabeth begangen zu haben: Jim Farmer und Ned B. Jim Farmer kennen wir aus diesem Blog unter dem Namen Jeff Ranchero. Er soll der mutmaßliche Drogendealer von Elizabeth gewesen sein. Zudem soll sein Vater ein Richter in Bedford (oder einem angrenzenden Landkreis) gewesen sein. Ned B. wiederum, war ein Freund von Jeff Ranchero. Angeblich ist er die Person, die Tony Buchanan identifiziert hat (wie unglaubwürdig diese Geschichte ist, könnt ihr hier nachlesen). Jedenfalls können bei neutraler Betrachtung weder Jim Farmer noch Ned B. mit den Morden auch nur ansatzweise in Verbindung gebracht werden. Daher halte ich es absolut für vertretbar, diese Spur nicht weiter zu verfolgen.

Donnerstag, 30. März 2017

Der Fall Jens Söring: Täterschaft (Teil 16: Nebenaspekte)


In dem heutigen Blog möchte ich einige Themen ansprechen die bedeutend sind, aber relativ kurz abgehandelt werden können und bei denen die Informationsdichte überschaubar ist. Somit macht es keinen Sinn, für jeden dieser Aspekte einen eigenen Blog zu erstellen.

1. Die Tatwaffe

Bei vielen Gewaltverbrechen kommt der Tatwaffe eine nicht unwesentliche Bedeutung zu. Sie kann auf viele Art Aufschluss über den Täter geben, beispielsweise durch gefundene Fingerabdrücke oder Schmauchspuren. Im Mordfall Haysom sieht das ein wenig anders aus: Es ist nur bekannt, dass ein Messer verwendet wurde. Die Mordwaffe wurde aber nie gefunden (vor Gericht wurde zwar ein Steakmesser als mutmaßliche Mordwaffe präsentiert, aber der Luminoltest viel negativ aus). Folglich hilft die Tatwaffe bei der Ermittlung des Täters nicht weiter. Interessant ist hierbei aber ein Nebenaspekt (siehe Aufzählungspunkt 2).

Donnerstag, 16. März 2017

Der Fall Jens Söring: Täterschaft (Teil 15: Der Prozess)


War der Prozess von Jens Söring fair und wurden rechtsstaatliche Prinzipien eingehalten?

Jens Söring vereint die Antwort auf diese Fragen auf seiner Internetseite. Im Wesentlichen nennt er drei Argumente, die wir uns ein wenig genauer ansehen wollen:

(i) Richter William Sweeney war befangen und mit der Familie der Opfer befreundet. Demnach hätte er niemals den Prozess von Jens leiten dürfen.

Bewertung:
Tatsächlich war Richter Sweeney lediglich mit dem Bruder von Nancy Haysom, Risque Benedict, befreundet. Es sei zudem angemerkt, dass das Verhalten des Richters gerichtlich überprüft wurde. Hierbei wurde festgestellt, dass sein Verhalten rechtskonform war (Urteil vom 09.10.1991, The Court of Appeals of Virgina).
Nicht vergessen werden darf, dass Jens Söring nicht von Richter Sweeney schuldig gesprochen wurde, sondern, wie in US- Strafprozessen üblich, von einer Jury aus 12 Geschworenen. Das Urteil ist einstimmig gefallen. Alle 12 Geschworenen waren davon überzeugt, dass Jens die Morde begangen hat. Wäre nur ein Geschworener nicht überzeugt gewesen, hätte es keine Verurteilung gegeben.

Es gibt aber noch zwei weitere Gründe, die dafür sprechen, dass der Richter nicht voreingenommen oder befangen war: